INTERVIEW €URO: "Sportliche Mitarbeiter helfen der Wirtschaft" – Personalmanager Thomas Lurz

INTERVIEW €URO: "Sportliche Mitarbeiter helfen der Wirtschaft" – Personalmanager Thomas Lurz

THOMAS LURZ_MITTELMEER_1Mit zwölf Weltmeistertiteln auf Strecken zwischen fünf und 25 Kilometern ist Thomas Lurz der erfolgreichste deutsche Schwimmer aller Zeiten – und das, obwohl er zu Beginn seiner Laufbahn als „äußerst talentfrei“ galt, wie er gern erzählt. Doch: „Ich habe nicht einmal an Weihnachten ein Training ausgelassen“, sagt Lurz. Seit seinem Karriereende im Mai investiert der Freiwasserschwimmer seine Energie nun ausschließlich in seinen Job – wo Sport aber ebenfalls eine große Rolle spielt.

€uro: Herr Lurz, seit Ihrem Karriereende stürzen Sie sich voll ins Berufsleben. Was ist Ihr neuer Job? 
So neu ist er gar nicht, ich hatte schon als Profi meinen Vollzeitjob als Sportbotschafter und Personalmanager beim Modekonzern S. Oliver in Würzburg. Nebenbei erkläre ich in Vorträgen, was die Wirtschaft vom Spitzensport lernen kann.

Das klingt nach viel Arbeit. Was kann der Angestellte Lurz denn dabei vom Spitzensportler Lurz lernen?
Ich bin Jahrzehnte mit Haien und Quallen durch brackige oder eiskalte Hafenbecken gekrault und bei einem Wettkampf sogar Stunden auf der Stelle geschwommen, weil die Streckenplaner die Strömung nicht einberechnet hatten. Da schockt einen nichts mehr. Man legt sich Zähigkeit, Ausdauer und ein Gespür zu, welche Ziele realistisch und welche nicht zu erreichen sind. All das hilft im Job. Und man braucht jemanden, der einen täglich motiviert. Egal, ob das ein Trainer oder ein Vorgesetzter ist. Genau das versuche ich bei S. Oliver einzubringen, wo ich zum Beispiel Führungskräfte schule.

Motivationsvortrag_Thomas LurzEin Teil Ihres Jobs dort hat aber auch ganz konkret mit Sport zu tun.
Ich habe ein Sportprogramm für die Mitarbeiter entwickelt. Wer will, bekommt einen individuellen Trainingsplan und kann ins Firmentraining kommen. Wir bieten vor allem Ausdauersportarten an: zum Beispiel Schwimmen, Laufen, Radfahren. 

Keinen Fußball?
Nein, wir wollen eine gesunde Belegschaft, kein Lazarett mit Knieverletzten. Aber wir bieten Basketball an, das hat in Würzburg einfach Tradition. 

Was erhoffen Sie sich durch die Sportangebote?
Würzburg ist nicht unbedingt eine Weltstadt. Wir müssen uns etwas einfallen lassen, um gute Leute zu S. Oliver zu locken. Sport hilft da. Außerdem profitiert das Unternehmen von sportlichen Mitarbeitern. Die Motivation steigt, der Krankenstand sinkt. Ein Vertriebler ohne Rückenprobleme sitzt länger im Auto als einer mit. Ein Abteilungsleiter ohne Herzprobleme steckt mehr Stress weg als einer mit. 

Schlägt sich das in den Zahlen nieder?
Mittelfristig schon. Auch andere Weltkonzerne wie der Autozulieferer Brose haben mit den Sportprogrammen sehr gute Erfahrungen gemacht. 

Nicht jeder mag Sport. Zwingen Sie Sportmuffel zum Schwitzen? 
Natürlich nicht. Wir versuchen aber Anreize zu setzen und möglichst viele zu motivieren. S. Oliver bietet hier wirklich viel für seine Mitarbeiter. Sie bekommen Fitnesspässe, um nachhaltig ihre Fortschritte bewerten zu können. Die Fleißigsten dürfen 2016 sogar als Zuschauer zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro.

Quelle: Magazin €uro Ausgabe 09/2015, Foto oben: s.Oliver by Benjamin Krohn

 

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