INTERVIEW: Ehrenamtsbotschafter Thomas Lurz – Ohne Miteinander wäre Vieles nicht möglich

INTERVIEW: Ehrenamtsbotschafter Thomas Lurz – Ohne Miteinander wäre Vieles nicht möglich

Ehrenamtstag_Gressel, Lurz, Gabel

Jährlich am 5. Dezember wird der Internationale Tag des Ehrenamtes als Gedenk- und Aktionstag zur Anerkennung und Förderung ehrenamtlichen Engagements begangen. Im Landkreis Würzburg befragte die Servicestelle Ehrenamt zu diesem Tag den Ehrenamtsbotschafter des Landkreises, Thomas Lurz aus Gerbrunn. Lurz ist auch als  zwölffacher Schwimmweltmeister selbst im Schwimmsport ehrenamtlich tätig.  

Thomas Lurz, was halten Sie von einem Internationalen Gedenktag für das Ehrenamt, wo es doch schon so viele internationale Gedenktage für verschiedenste Anlässe gibt?
Ich finde es gut, dass ein Gedenktag speziell dem weltweit geleisteten Ehrenamt gewidmet ist. Vieles wäre doch auf den unterschiedlichsten Gesellschaftsfelder ohne Ehrenamt gar nicht möglich.

Wo ist Ihnen in Ihrer Ausnahmekarriere als Spitzensportler Ehrenamt begegnet und wo hat es Ihren Werdegang positiv unterstützt?
 Ich kann ohne übertreiben zu wollen sagen, dass vieles in meiner sportlichen Entwicklung in meinem Heimatverein, dem SV 05 Würzburg, ohne das  ehrenamtliche Engagement selbstlos und unentgeltlich handelnder Personen so gar nicht möglich gewesen wäre. Viele Arbeiten in unserem Schwimmbad und Verein werden durch ehrenamtlich tätige Menschen erledigt, denen ich an dieser Stelle einmal ganz deutlich Danke sagen möchte.

Sie engagieren sich ja ehrenamtlich als Botschafter für das Ehrenamt im und für den Landkreis Würzburg. Sie nehmen dabei viele Termine wahr in Schulen, bei diversen Veranstaltungen und Festen. Was ist Ihnen hierbei besonders aufgefallen?
Zunächst bin ich immer wieder überrascht von der großen Vielfalt des Ehrenamts in den Landkreisgemeinden vor Ort. Ich durfte durch meine Tätigkeit als Ehrenamtsbotschafter erleben, dass hier viele Menschen in kleinen Orten durch unkompliziertes Miteinander eindrucksvoll Großes schaffen können: Tolle Feste, in Eigenleistung renovierte oder gebaute Gebäude, anspruchsvolle Kultur-, Theater-, Sport- und Musikveranstaltungen, soziales Engagement für Alt und Jung, für Einheimische und Fremde. Darüber hinaus Einsatz für Leib und Leben Anderer, für Geschichte und Tradition, und, und, und .

Apropos Sport und Schwimmsport: Sie konnten sich ja auch in vielen Freibädern unserer ländlichen Gemeinden umsehen. Wie waren Ihre Eindrücke?“
 „Besonders vor der ehrenamtlichen Arbeit in den Frei- oder Hallenbädern auf dem Land ziehe ich den Hut: Die Leute, die hinter den Kassenhäuschen, als ehrenamtliche Bademeister, Kioskhelfer, Platzwarte oder in Schwimm- und Sportvereinen ihre freie Zeit opfern, machen Schwimmen vor Ort überhaupt möglich. Und schwimmen kann man nun mal nur im Wasser lernen. Ohne ein derartiges ehrenamtliches Engagement wären viele Schwimmbäder überhaupt nicht finanzierbar, da weiß ich, von was ich rede. Ich bewundere hier auch den Mut der Gemeinde- und Kreisräte zu großen Investitionen in diesem Bereich!

Könnten Sie mit der Feststellung mitgehen: Ehrenamtliches Engagement ist ein wichtiger Standortfaktor in und für die Landkreisgemeinden?
100 prozentige Zustimmung! Wer zieht schon in eine Gemeinde, in der nichts los ist? Erst die Angebote der Vereine machen – neben anderen Faktoren - Gemeinden attraktiv, weil dort das Gemeinde- und Gemeinschaftsleben stattfindet. Ich stehe z.B. auch gerade mit meiner Frau und meinem kleinen Sohn Felix vor der Entscheidung, wo wir uns einen Bauplatz suchen. Vielleicht weiß ja  jemand was...“ (lacht).  

Warum engagieren Sie sich denn nach Ihrer Spitzensportkarriere ehrenamtlich – im Verein, als Botschafter fürs Ehrenamt und als Schwimmpate im Schwimmprojekt „Tauch nicht ab, lern Schwimmen!“?
Wenn ich so zurückschaue auf die wahnsinnig tolle Unterstützung durch Ehrenamtliche in meinem Bereich, dem Schwimmsport und Verein: Diese Leute haben nicht nur die Infrastruktur für meine Karriere mit sichergestellt, sondern mich auch immer angefeuert und motiviert. Da fühle ich mich doch verpflichtet, etwas zurückzugeben. Die Schwimmpatenschaft für „Tauch nicht ab, lern Schwimmen!“ habe ich gerne übernommen. Ich  bin je auch oft dabei, wenn ich in die leuchtenden Augen der stolzen Grundschüler blicke, denen ich die Seepferdchen- Abzeichen übergeben darf. Tolles Projekt! Da auch einen besonderen Dank an die Organisatoren.“

Wie beurteilen Sie die Wertschätzung, Unterstützung  und Anerkennung von ehrenamtlichem Tun in der Gesellschaft allgemein – und speziell hier im Raum Würzburg?
Gut, ich meine sehr gut!  Als Ehrenamtsbotschafter bin ich ja inzwischen viel herumgekommen und erlebe Ehrenamtsabende, spezielle Veranstaltungen für Ehrenamtliche, Fortbildungskurse, die Ehrenamtliche für ihr Tun fit machen sollen und die Bayerische Ehrenamtskarte mit Rabatten und Vorzügen.
Ich würde sagen, es wird hier sehr viel für das Bürgerschaftliche Engagement getan, nur sollte man nicht nachlassen, diese Wertschätzungskultur zukunftssicher aufzustellen und bei Bedarf auszubauen. Ich glaube, vielen Ehrenamtlichen kommt es nicht auf große Zuwendungen an. Vielen reicht ein kleines Zeichen der Aufmerksamkeit und Anerkennung.“

Abschließende Frage: Was machen Sie persönlich am Tag des Ehrenamtes. Das ist ja der Samstag vor dem Nikolaustag?
Da bin ich in dem Kreis, der mir – und auch vielen Ehrenamtlichen  - am wichtigsten ist: im Kreise meiner Familie. Denn trotz Arbeit und Ehrenamt ist es wichtig, sich Zeit für Freunde, Verwandte und Familie zu nehmen.“

Quelle: Pressemitteilung der Servicestelle Ehrenamt, Landratsamt Würzburg