EHRENGAST: Roter Teppich für den IOC-Präsidenten Thomas Bach

EHRENGAST: Roter Teppich für den IOC-Präsidenten Thomas Bach

Thomas Lurz & IOC Präsident Thomas Bach
Würzburger unter sich: Schwimmweltmeister Thomas Lurz und IOC-Präsident Thomas Bach bei der Feier seines 60. Geburtstags in Tauberbischofsheim.

MAINPOST – Gerhard Schröder und Franz Beckenbauer waren die Stars beim 60. Geburtstag in der Tauberbischofsheimer Stadthalle. Der Jubilar gab sich eher zurückhaltend und dankte der Gratulantenschar im Zwiegespräch.

Um zwölf nach elf am Freitagmorgen schien es dann tatsächlich so, als würde der rote Teppich im normalerweise kargen Foyer der Tauberbischofsheimer Stadthalle mitten hinein ins Berliner „Adlon“-Hotel oder den „Bayerischen Hof“ zu München führen. „Kaiser Franz“ kam, äußerlich etwas gehetzt, dann Wolfgang Niersbach, der stets freundlich lächelnde Präsident des deutschen Fußballs. Schorsch Hackl sagte in der Krachledernen „Ja grüßt euch Gott“, Katarina Witt kreuzte damenhaft angeedelt auf. Gerhard Schröder kam nicht nur, sondern er erschien im Foyer, selbstbewusster und breiter grinsend denn je, hinter ihm FDP-Legende Hans-Dietrich Genscher trippelnd, natürlich stilecht im gelben Pullunder.

Es wurde eng bei der Gratulations-Zeremonie zu Thomas Bachs 60. Geburtstag, nachdem sie alle nacheinander im Maybach aus dem 750 Meter entfernten Rathaus angekarrt worden waren, wo sie sich im Goldenen Buch der Heimatstadt des IOC-Präsidenten eingetragen hatten. Und Finanzminister Wolfgang Schäuble, der Arme, musste als Stellvertreter der entschuldigt, weil verletzt fehlenden Angela Merkel in seinem Rolli gar eine Weile abwarten, ehe er drankam, um dem Chef der Sportwelt die offiziellen Glückwünsche zu bestellen.

200 Ehrengäste und noch eine Handvoll unangemeldete Besucher mehr (zu aller Überraschung zum Beispiel auch „Mister Sportstudio“ Dieter Kürten) waren also in die kaum mehr erkennbar, sehr liebevoll umgestaltete Stadthalle angereist, um den „Runden“ des obersten Herren der Ringe angemessen zu würdigen: Denn wie schon vor exakt zehn Jahren war es der ausdrückliche Wunsch von Thomas Bach gewesen, das Fest zu Hause bei den Leuten daheim auszurichten. Die Stadt als solche, die „Weinig AG“, wo der IOC-Präsident als einzigen Nebenjob den Aufsichtsrat-Chefposten bekleidet, sowie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), dessen allererster Mann der Jubilar gewesen war, luden gemeinsam ein – und sie ließen sich, wie es der Volksmund auszudrücken pflegt, bei der Gelegenheit nicht lumpen. „Es ist ein einmaliger Spagat, der ihm da gelingt“, sagte Bürgermeister Wolfgang Vockel: „Er reist als Weltbürger zu den Mächtigen überall, aber im Herzen ist er verbunden mit den Menschen daheim.“

Insofern war es auch kein Zufall, dass zu Ehren des Burgunder-Liebhabers Bach ein Weiß-, ein Grau- und ein Spätburgunder aus dem Taubertal vom Gerlachsheimer Herrenberg zur Weinwahl standen. Und zwischen der Grünkernsuppe und dem Filet vom Stör auf Rahmsauerkraut gab es muntere Talkrunden der Prominenz, von der Gerhard Schröder einen nahezu unverschämt frechen Auftritt hinlegte. Wie er den Begriff „Altkanzler“ verkrafte, fragte ihn der gekonnt durchs Programm führende Ex-Eurosportler Jochen Färber, der künftig Bachs IOC-Büro in Lausanne mitleiten wird. „Entspannt und gut“, beliebte Schröder zu antworten und blickte auf den Kollegen Genscher: „Vor allem, wenn neben einem ein Uralt-Außenminister sitzt.“ Es war der Lacher des Tages. Denn die Laudatio von Innenminister Thomas de Maiziere war zwar voller netter Formulierungen, aber nicht halb so flott. Zumal sich nach der würdevollen de-Maiziere-Aufzählung von Bachs Eigenschaften „redegewandt, zäh, diplomatisch, klug und treu“ gar ein bekannter Bürger des Ortes die halblaute Zwischenfrage erlaubte, was denn da noch zum Papst-Rang fehle.

Doch was geschah in all den vier, fünf Stunden mit dem Herrn Hauptdarsteller höchstselbst? Er hielt sich auffällig zurück und war auch nicht das Überraschungsopfer einer spontanen Bühneneinlage – beim 50. war das noch so passiert. Erst ganz am Ende des Empfangs, der weitaus ungestelzter verlief als die überwiegende Anzahl an Empfängen dieser Art, betrat er zum Zwecke der Danksagung leibhaftig die Bühne und stockte bei der Erinnerung an die nicht mehr lebenden Eltern. Seinen Tag beging Thomas Bach persönlich eher mit inoffiziellen Zwiegesprächen abseits der Feierlichkeiten, zum Beispiel bei der Begegnung mit Kindermädchen Irmgard Wallisch oder Dekan Fritz Ullmer, seinem einstigen Taufpfarrer in der heimischen St.-Martin-Kirche. Mit Impressionen des Gotteshauses begann denn auch jenes Fünfminutenfilmchen, das einigermaßen rührend für ordentlich Emotion sorgte, weil es mit dem olympischen 1988er-Seoul-Schmachtfetzen „One Moment In Time“ von Whitney Houston unterlegt war und zum ersten Mal die bei derartigen Anlässen üblichen Albumbilder des Geburtstagskindes in kurzen Hosen offenbarte – warum soll das bei einem IOC-Präsidenten anders sein?

Schließlich gab es ja auch noch Franz Beckenbauer, der die nicht minder üblichen Sprüche für den Jubilar parat hatte. Zwischen dem bereits erwähntem Stör und der Schnitte vom Weideochsen jedenfalls lästerte der wahrscheinlich allerberühmteste Gast über die fußballerischen Qualitäten des Freundes, den er seit den siebziger Jahren kennt. „Er hatte einen stechenden Linksfuß. Na ja, in die B-Mannschaft hätte es vielleicht gereicht.“ Als der „Kaiser“ um halb vier den Maybach Richtung Rückflieger bestieg, stand Bach noch im Foyer und umarmte jeden Anwesenden. Zuvor hatte der Bayer einem Andrang von Schulkindern, Feuerwehrleuten und städtischen Bediensteten in einer derart feinen, geduldigen Manier Autogramme geschrieben, dass es jeden Beobachter beeindruckte. Dann verabschiedete er sich mit einem „Pfiat euch“.

Falls das Leben nun wieder seinen normalen Lauf nimmt, kommt Franz Beckenbauer in genau zehn Jahren wieder nach Tauberbischofsheim. Dann würde der für zwölf Jahre wählbare IOC-Präsident Bach 70.

Redakteur: Jürgen Höpfl