MEN'S FITNESS: Training, Technik, Motivation – Die besten Tipps des Weltmeisters

MEN'S FITNESS: Training, Technik, Motivation – Die besten Tipps des Weltmeisters

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Die aktuelle Ausgabe der MEN's FITNESS sprach mit dem 12fachen Weltmeister Thomas Lurz ausführlich im Interview.

Thomas Lurz (34) ist mit insgesamt zwölf Titeln der erfolgreichste deutsche WM-Schwimmer aller Zeiten. Außerdem hat keiner je mehr Titel im Freiwasser geholt als der Würzburger mit dem langen Atem. Auf den Langstrecken ist Thomas eine Maschine. MENS's FITNESS traf ihn in seiner Heimatstadt Würzburg und sprachen mit ihm über Trainingsplanung für Profis und Freizeitathleten, über den allgegenwärtigen Schweinehund und Strategien zur Fokussierung auf die eigenen Ziele. Thomas' wichtigster Tipp: Der schönste Trainingsplan hilft dir nicht, wenn du nicht ins Wasser springst. Also, rein da und loskraulen! Schwimmen bringt Muskeln, Ausdauer — und macht ein richtig breites Kreuz.

„Wenn ich ins Wasser springe, sage ich mir: JETZT wirst du besser! Genau in dieser Trainingseinheit”

Stell dir vor, du würdest jeden Tag 20 Kilometer laufen. Ein ziemlich ordentliches Pensum, oder? Thomas Lurz schwimmt(!) diese Strecke täglich, außer am trainingsfreien Sonntag. Manchmal sind es sogar noch ein paar Kilometer mehr. Wer könnte also ein besserer Experte sein, wenn es um das Thema Motivation für Schwimmer geht? Klar, das Schwimmen ist Thomas' Beruf, aber auch er hat Phasen, in denen er nicht wie selbstverständlich um 5 Uhr morgens ins kalte Becken steigt. Genau darum aber geht es: ins Wasser zu springen. Zu machen und nicht in der Trainingstheorie hängen zu bleiben. „Der beste Plan hilft dir nicht, wenn du ihn nicht umsetzt”, sagt Lurz selbst. Gerade in der Triathlonszene gibt es viele unglaublich gut informierte „Experten”. Wie gut sie im Wasser sind, zeigt sich aber erst — im Wasser.

Bildschirmfoto 2014-11-05 um 12.37.46Die harten Tage sind für Lurz die entscheidenden: „Disziplin fängt dann an, wenn es schwer fällt. Genau diese Einheiten machen dich zum Champ. Irgendeiner meiner Konkurrenten lässt sein Training an einem solchen Tag vielleicht sausen oder geht nur halbherzig rein. Dann ist genau das meine Chance.”

Schwimmen ist zwar immer auch „Kacheln zählen”, also monoton. Aber erstens kann das, gepaart mit dem dämpfenden Unterwassergefühl, sogar etwas Meditatives haben. Und zweitens lässt sich durchaus Abwechslung in das Training bringen. Lurz: „Ich schwimme im Training ja auch nicht 20 Kilometer Kraul im gleichen Tempo.”

Das Techniktraining bringt nicht nur Abwechslung, es macht dich auch direkt schneller. Jeder Kraftprotz, der beim Schwimmen schon mal von einer schmächtigen Schülerin überholt wurde, weiß das. Während elegante, effektive Schwimmer einen schönen langen Zug machen, müssen Anti-Techniker wie wild
reinhauen, um in der gleichen Zeit eine ähnliche Strecke zurückzulegen.

Auch Thomas Lurz' Technik ist nicht die allerbeste. Aber er arbeitet täglich an ihr. Der so genannte „Pull Kick” ist sein wichtigstes Trainingstool. Das speziell geformte Kunststoffbrettchen lässt sich auf verschiedenen Höhen zwischen die Beine klemmen, um den Auftrieb zu erhöhen und eine bessere Fokussierung auf die Armzugtechnik zu ermöglichen. Es lässt sich aber auch als klassisches Schwimmbrett nutzen, das mit den Händen gegriffen wird, um gezielt die Beinarbeit zu trainieren. Neben dem „Pull Kick” setzt Thomas „Paddles” für die Hände ein, die den Widerstand der Handflächen vergrößern und Zugtechnik sowie Zugkraft verbessern. Auch Flossen gehören in seine Toolbox. Sie trainieren die Bewegung in den Fußgelenken und unterstützen die Beinarbeit.

Bildschirmfoto 2014-11-05 um 12.27.51Jeder Kraftprotz, der beim Schwimmen schon mal von einer schmächtigen Schülerin überholt wurde, weiß, wie wichtig die Technik ist

Thomas wechselt während einer Einheit auch oft in Intervallen den Schwimmstil. Das ist schon deshalb wichtig, weil das Schwimmen im immer gleichen Stil schnell muskuläre Disbalancen hervorruft. Vor allem die Rückentechnik solltest du einbauen! „Gerade beim Techniktraining solltest du selbstkritisch sein und es nicht als lästiges Übel sondern wichtiges Element zur Leistungssteigerung sehen. Ich mache mir jedes Mal, wenn ich trainiere, bewusst, dass ich genau jetzt besser werde”, sagt Thomas Lurz.

Das Schöne beim Indoor-Training im Winter: Das Wasser ist konstant warm. Es gibt also keine Asureden mehr — egal ob du für Wettkämpfe trainierst oder das Schwimmen als Bestandteil deines allgemeinen Fitness-Trainings siehst.