JUBILÄUM: Vor 10 Jahren gewann Thomas Lurz seinen ersten von zwölf WM-Titeln

JUBILÄUM: Vor 10 Jahren gewann Thomas Lurz seinen ersten von zwölf WM-Titeln

Vor zehn Jahren, am 29. November 2004, begann eine Erfolgsserie, die in der Geschichte des deutschen Sports ihresgleichen sucht. An jenem Montag gewann Thomas Lurz vom SV 05 Würzburg einen Tag nach seinem 25. Geburtstag in Dubai seinen ersten Weltmeistertitel im Langstreckenschwimmen. Vorangegangen waren entbehrungsreiche und trainingsintensive Jahre, mehrmals schrammte der Schwimmer des SV 05 Würzburg an einem Titel vorbei. Doch in diesem Rennen über zehn Kilometer passte alles: Lurz taktierte clever, zog im richtigen Moment den Spurt an und siegte nach 1:54,38 Stunden vor dem Briten Alan Bircher. „Am Ziel der Träume“, titelte anderntags diese Zeitung – und doch war es erst der Anfang.

Neuer Vizepräsident des SV 05

THOMAS LURZ UW_07

Das Gold von Dubai markiert den Startpunkt einer fast unglaublichen Siegesserie, denn Thomas Lurz holte seitdem bei sämtlichen Weltmeisterschaften im Langstreckenschwimmen mindestens eine Goldmedaille. Montreal, Neapel, Melbourne, Sevilla, Rom, Roberval, Shanghai, Barcelona, so hießen die weiteren Stationen seiner Goldtournee rund um den Globus mit insgesamt zwölf Titeln. Hält Thomas Lurz damit die längste Erfolgsserie deutscher Sportler bei Weltmeisterschaften? Beim Deutschen Olympischen Sportbund gibt es keine Statistik, die das einwandfrei belegen könnte, sagt Sprecher Christian Klaue auf Anfrage, „aber gefühlt könnte das absolut stimmen“.

Beeindruckend ist es so oder so, wie der Sportler seit Jahren die Motivation hochhält, wie er eisern seine rund 3200 Trainingskilometer im Wasser abspult, zuverlässig wie ein Metronom. Wenn er auf seine Erfolgsdekade zurückblickt, sagt Lurz, dann sei er vor allem dankbar. Dankbar für die Siege, „aber auch für all die schönen Erlebnisse, die ich ohne das Schwimmen nie gehabt hätte“. Das Gold von Dubai ist ihm besonders in Erinnerung, weil sein drei Jahre später verstorbener Vater sein großes Organisationstalent bei der Siegesfeier bewiesen hätte: „Obwohl es damals in den Vereinigten Arabischen Emiraten kaum Alkohol gab, hat er für die Fete reichlich Weißbier besorgt.“

Highlights seien neben den Weltmeistertiteln in dieser Zeit vor allem seine beiden Medaillen bei den Olympischen Spielen in Peking (Bronze) und London (Silber) gewesen, erinnern aber kann er sich auch noch gut an seine Aufnahme in die Nationalmannschaft der Schwimmer. Damals gehörte es zum Usus, auf Anweisung der Kollegen irgendeine Verrücktheit zu machen: Thomas Lurz musste Christa Thiel, der Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes, bei einem Mannschaftessen im Trainingslager auf Mallorca ein Liebeslied vorsingen. Inzwischen ist Thomas Lurz in der Nationalmannschaft der deutsche Vorzeigeschwimmer.

Bei seinem Heimatverein SV 05, der in einer schweren finanziellen Krise steckt, wurde er vor wenigen Tagen zu einem der Vizepräsidenten gewählt. „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass wir Strukturen im Verein aufbauen, die uns eine gute Zukunft ermöglichen.“

Wie es sportlich weitergeht, das hat der junge Vater vor kurzem entschieden: Bis zu den Olympischen Spielen in Rio 2016 möchte er weiterschwimmen, die Qualifikation dafür findet im kommenden Sommer bei der Weltmeisterschaft im russischen Kasan statt. Dann könnte er seiner eindrucksvollen Sammlung einen weiteren Titel hinzufügen. „Leicht wird's nicht“, sagt Lurz, „ich werde ja auch nicht jünger.“ Zuzutrauen ist es ihm trotzdem.

Quelle:  MAINPOST / 29. November 2014