Schwimmen-WM: Turbo-Lurz holt die Silbermedaille nach bärenstarker Aufholjagd

Schwimmen-WM: Turbo-Lurz holt die Silbermedaille nach bärenstarker Aufholjagd

Barcelona – Dank eines grandiosen Zielsprints sichert sich der Freiwasser-Rekordweltmeister bei der WM in Barcelona die zweite Medaille. Thomas Lurz sah die WM-Medaillen schon davonschwimmen, da schaltete der Freiwasser-Rekordweltmeister den Turbo an.

bärenstarke Aufholjagd beim 10 km Rennen von Thomas Lurz

"Zwischenzeitlich habe ich gedacht: Verfluchte Scheiße, das wird nichts", sagte der Olympiazweite, wenig später baumelte doch noch Silber an seinem Hals. Mit einem grandiosen Schlussspurt im Yachthafen von Barcelona hatte sich der 33-Jährige über zehn Kilometer nicht nur seine 28. internationale Medaille geholt, sondern auch den eigenen Körper besiegt.
"Es war eines der härtesten Rennen überhaupt. Ich bin schon sehr platt", gab Lurz zu, nachdem er 2,7 Sekunden nach dem griechischen Titelverteidiger Spyridon Gianniotis angeschlagen hatte.

Bundestrainer zweifelte

Olympiasieger Oussama Mellouli, der zwei Tage zuvor über die halbe Strecke triumphiert hatte, war diesmal gegen Lurz ohne Chance und musste sich mit Bronze begnügen. Der Wiesbadener Christian Reichert wurde Neunter. "Auf den letzten 500 Metern habe ich mich noch mal gut gefangen", beschrieb Lurz seinen eindrucksvollen Endspurt, der selbst seinen Bruder Stefan ins Schwärmen brachte. "Ich habe gezweifelt, ob es für eine Medaille langt. Seine kämpferische Leistung auf den letzten 700 m war wirklich ganz, ganz toll - eines der besten Rennen, die er bisher geschwommen ist", sagte der Freiwasser-Bundestrainer und klatschte seinen Medaillengaranten ab.

"Das hat mit Schwimmen nicht viel zu tun"

Zwei Tage nach Bronze über fünf Kilometer war Thomas Lurz zunächst ins Hintertreffen geraten. Bei einem Gedränge an einer Boje in der ersten Runde musste er Schläge einstecken, nach 2,5 Kilometern betrug der Rückstand ungewohnte 14,4 Sekunden. "Es gab unheimlich viele Kämpfe am Anfang", berichtete Lurz, "mit 70 Leuten auf so einem engen Kurs, das ist unmöglich, das hat mit Schwimmen nicht viel zu tun."

41204948Lurz bärenstark im Zielsprint

Als sich das Feld auseinanderzog, schwamm Lurz immer näher an den wie in London von Beginn an führenden Mellouli heran. Als zwei Kilometer vor Schluss Gianniotis einen Ausreißversuch startete, konnte der Würzburger zunächst nicht folgen. Erst auf der Zielgeraden zog er noch an fast allen vorbei. Dabei halfen ihm nicht nur seine körperlichen Reserven. "Die Erfahrung spielt auch eine Rolle, man muss cool bleiben bis zum Ende", sagte der 27-malige Deutsche Meister: "Abwarten, lauern, lauern, lauern." Dann zündete er den Turbo.

Gute Chancen im Team

Viel Zeit, den Akku wieder aufzuladen, hat Lurz nicht. Am Donnerstag (12 Uhr) hat der erfolgreichste Freiwasserschwimmer der Welt die Chance auf seine 29. internationale Medaille. Im Teamwettbewerb zählen Lurz und Co., die vor zwei Jahren in Schanghai WM-Bronze gewannen, erneut zu den Favoriten. "Unsere Chancen sind ganz gut", meinte er.

Bierdeckel-Versprechen von Lurz

Mit seiner zweiten Medaille in Barcelona polierte der Würzburger die Bilanz des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) weiter auf - Gold, Silber und Bronze war die Ausbeute nach drei Tagen. Wie lange der Verband noch auf Lurz, der in London das einzige Edelmetall holte, zählen kann, ist offen. "Ich habe einen Bierdeckel", meinte DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow auf die Frage nach der Zukunft des Vorschwimmers und schmunzelte.

Schwimmen "ist nicht Fußball"

Man habe, so löste Lurz auf, bei einem Weltcup die Wartezeit am Flughafen verkürzt, indem man ein paar Sachen auf dem Untersetzer fixierte. "Es war ein Spaß, da haben wir einige Details noch nicht ausgehandelt", meinte der Rekordweltmeister lachend. Die Heim-EM 2014 in Berlin dürfte draufstehen, Olympia 2016 noch nicht. "Die berufliche Zukunft ist das A und O, ich bin 33", sagte Lurz, der in Barcelona seine zwölfte WM bestreitet: "So schön es ist, Medaillen zu gewinnen, aber es ist nicht Fußball."

Quelle: www.sport1.de

 

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