SCWIMMEN-WM: Teamwettbewerb – Der Goldschmied Thomas Lurz und das perfekte Trio

SCWIMMEN-WM: Teamwettbewerb – Der Goldschmied Thomas Lurz und das perfekte Trio

Würzburger Thomas Lurz und Christian Reichert sowie Isabelle Härle gewinnen WM-Titel im Teamwettbewerb.

WM Team BarcelonaMit einem Fünf-Kilometer-Verfolgungsschwimmen nahe der Perfektion hat sich das deutsche Freiwasser-Team bei den Weltmeisterschaften in Barcelona überlegen die Goldmedaille gesichert: Die beiden Würzburger Thomas Lurz (33) und Christian Reichert (28) sowie Isabelle Härle (25) aus Heidelberg dominierten den 5-km-Wettbewerb und schlugen nach famosen 52:54,9 Minuten vor den Trios aus Griechenland und Brasilien an. „Super, das hat richtig Spaß gemacht“, jubelte Lurz, der als Verbindungsmann in der Mitte den Rhythmus maßgeblich bestimmte zwischen dem Führungsmann und Navigator Reichert und Schlussschwimmerin Härle. Denn darum geht es in dieser von Taktik geprägten Disziplin, in der die Mannschaften gegen die Uhr schwimmen und in der die Zeit des Teamletzten in die Wertung eingeht: Harmonie zu finden zwischen den unterschiedlichen Kräften, ähnlich wie im Mannschaftszeitfahren im Radsport. „Wir durften Isabelle nicht überfordern, aber auch nicht unterfordern“, sagte Lurz. Im Sog der Männer zeigte Härle, die im Einzel als Fünfte knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt war, ein beherztes Rennen. Sie wurde mit ihrem ersten WM-Titel belohnt.

Langstreckenschwimmer Thomas LurzFür Thomas Lurz ist es bereits das elfte Gold, die 29. internationale Medaille. Die Rekordbilanz des Würzburgers liest sich immer beeindruckender. „Das war eine grandiose Mannschaftsleistung“, sagte der Athlet, „übrigens nicht nur von uns im Wasser, sondern auch von den Trainern, Betreuern, den Fans. Wie uns die Beckenschwimmer am Ufer angefeuert haben, das war spitze.“ Tatsächlich hatte sich das komplette DSV-Team in der Mittagssonne in den Hafen Moll de la Fusta aufgemacht – fast das komplette: Nur Britta Steffen, die ihren 50-m-Freistil-Start gestern ohne Erläuterung absagte, glänzte mit Abwesenheit.

„Das spricht für die prima Stimmung in der Mannschaft. Wir haben uns über die Unterstützung echt gefreut“, sagte Bundestrainer Stefan Lurz (36), der zunehmend zum deutschen Goldschmied avanciert. Mit seiner geheimen Zeichensprache hatte der Chefcoach des SV 05 Würzburg maßgeblichen Anteil am Erfolg. Als Taktikfuchs stoppte er nicht nur die Zeiten seines Teams, sondern hielt auch die schärfste Konkurrenz genau unter Beobachtung. Vom Ufer aus informierte er seine Schwimmer dann per Zeichen exakt über den Rennverlauf. „Sie haben die Vorgaben im Wasser perfekt umgesetzt und waren immer in Führung. Das zu wissen, motiviert natürlich“, sagte Stefan Lurz, der ein Sonderlob für Härle übrig hatte: „Sie hat sich an den Jungs festgebissen.“

Christian Reichert indes fand sich nach dem Ende in einem Strudel der Gefühle wieder: „Wahnsinn, unglaublich, ich kann das alles noch gar nicht richtig realisieren“, sagte der Polizeikommissar, der im Würzburger Stadtteil Unterdürrbach aufgewachsen und vor knapp zehn Jahren zum SC Wiesbaden gewechselt ist. Dort fand er in der Sportfördergruppe der hessischen Polizei eine berufliche Perspektive, konnte aber weiterhin Leistungssport betreiben. „Dass ich weiter am Bundesstützpunkt in Würzburg trainieren kann, ist ideal. Mit Stefan als Trainer und der hochklassigen Trainingsgruppe sind die Bedingungen perfekt.“ Der 28-Jährige ist verheiratet mit der Freiwasserschwimmerin Nadine Reichert, sein erstes WM-Gold hat ihm neue Motivation verschafft: „Jetzt geht der Blick nach Rio 2016. Ich will zu Olympia.“

Vor den abschließenden Wettbewerben über 25 Kilometer hat Bundestrainer Stefan Lurz bereits vier Medaillen auf dem Konto. „Da brauchen wir uns nicht zu verstecken“, sagte er, „wir hoffen, dass wir die Beckenschwimmer mit unserem Medaillenfieber anstecken können und dass sie den Schwung mitnehmen.“ Am Sonntag beginnen die Rennen im Pool des Palau Sant Jordi, dann werden die Nullfünfer Leonie Beck und Sören Meißner ihre Chancen suchen. Ob Thomas Lurz am Samstag auf die Marathonstrecke gehen wird, ist noch nicht entschieden. Persönlich haben ihn die drei Medaillen aus drei Rennen beflügelt, aber das Scheuern der Nähte des Schwimmanzuges hat an Hals und unter den Achseln tiefe Wunden hinterlassen. „Ob ich mir die fünf Stunden im Wasser noch antue?“

Quelle: www.mainpost.de