PRESSE: Thomas Lurz – "War nie das Supertalent im Schwimmen"

PRESSE: Thomas Lurz – "War nie das Supertalent im Schwimmen"

Sportlerehrung CrailsheimSüdwest Presse von Klaus Helmstetter – Wenn man sich auf der anderen Seite vor Augen hält, wie umfangreich seine Sammlung von Weltmeistertiteln und Olympia-Medaillen (insgesamt 14) inzwischen geworden ist, mag man ein Gefühl dafür kriegen, wie der Würzburger das erreicht hat. Nämlich mit harter Arbeit - und eben Disziplin und Ehrgeiz. Ein steiniger und langer Weg bis an die Weltspitze der Freiwasserschwimmer. Und wenn der 34-Jährige dann auch noch von sich selber sagt: "Ich war nie ein Supertalent im Schwimmen", unterstreicht das diesen Eindruck noch. Als 12-, 13-Jähriger hat Lurz elf Einheiten pro Woche trainiert, zweimal am Tage - vor der Schule und dann das ein oder andere Mal mit nassen Haaren in den Unterricht - eine Selbstverständlichkeit! Einen plastischen Eindruck von seinem Trainingspensum vermitteln die Zahlen. Für einen Schwimmer vielleicht nicht gar so ungewöhnlich. "Otto-Normalverbraucher" kommt da leicht ins Staunen. "Im Jahr schwimme ich so 3500 bis 4000 Kilometer. Am Tag in der Regel 13,5". Was im Crailsheimer Hallenbad rund 500 Bahnen entspräche, assistiert Moderator Günther Herz.

Thomas Lurz ist sehr bodenständig, findet in Würzburg ideale Trainingsbedingungen vor, schätzt die heimische Umgebung, reist im Übrigen auch "so kurz wie möglich" vor den Wettkämpfen an.

THOMAS LURZ_04Und selbstverständlich gab es in der langen Karriere von Lurz auch Rückschläge und Niederlagen. Doch davon lässt er sich nicht entmutigen. "Aus jeder Niederlage schöpfe ich viel Motivation. Vor einem großen Sieg muss es eigentlich Niederlagen geben, damit der überhaupt erst möglich wird." Auch das Fokussieren auf ein Ziel - eine seiner Stärken. "Vier Jahre hat man die olympischen Spiele als Ziel vor Augen, eine lange Zeit. Da gibt es viele Trainingseinheiten, die keinen Spaß machen. Dennoch trainiere ich immer durch, auch Weihnachten und Silvester. "Viel", ist sich Lurz sicher, "entscheidet sich im Kopf. Der Wille, die mentale Stärke, machen enorm viel aus! Damit kann man eine Menge erreichen."

Für Lurz war 2013 eines der erfolgreichsten Jahre in seiner Laufbahn: Bei der Weltmeisterschaft in Barcelona holte er zwei Goldmedaillen im Freiwasser, gewann dazu noch Silber und Bronze. Mit zwölf WM-Titeln ist er Rekordweltmeister seiner Sportart. Zudem sicherte er sich auch noch den Gesamtweltcup über zehn Kilometer. Macht Erfolg eigentlich einsam? "Natürlich gibt es viele Leute, die einem auf die Schulter klopfen, wenn es gut läuft. Wobei es in der Praxis eigentlich noch schwerer ist, eine herausragende Leistung dann auch zu wiederholen, als zu erreichen."

Für dieses Jahr ist die Europameisterschaft in Berlin im Kalender von Thomas Lurz ganz dick unterstrichen. Schade findet er, dass die Meisterschaften nicht mitten in der Stadt, sondern weit außerhalb ausgetragen werden. "In London waren Zehntausende im Hyde Park und schauten zu. Deutschland, als Freiwasser-Nation Nummer 1 schafft das nicht!"

Ob er bis 2016 weitermacht, steht derzeit noch nicht fest. "Aber solange ich gesund und fit bleibe, lohnt sich der Sport immer. Vorrang hat aber meine berufliche Entwicklung." Derzeit ist Lurz für ein Kleidung und Mode produzierendes Unternehmen mit Sitz im Würzburger Umland tätig. In der Zwischenzeit hat er auch ein Buch geschrieben mit dem vielsagenden Titel "Auf der Erfolgswelle schwimmen." Bei der Sportlerehrung in Crailsheim präsentierte sich Thomas Lurz als sehr unkomplizierter Sportpromi zum Anfassen, ohne jegliche Starallüren, der frank und frei von sich und seiner Laufbahn erzählt. Auf der anderen Seite weiß er auch ganz genau, was er will - und welch schwieriger Weg im Alltag dorthin führt.