INTERVIEW: Rekordweltmeister Thomas Lurz – “Ehrgeiz und Wille sind das A und O”

INTERVIEW: Rekordweltmeister Thomas Lurz – “Ehrgeiz und Wille sind das A und O”

Allgäu Ausdauer – Dieses Interview freut uns riesig. Denn hier spricht der erfolgreichste Langstreckenschwimmer aller Zeiten! Thomas Lurz, 33, holte zwölf WM-Titeln und “nebenbei” auch noch Bronze und Silber bei Olympischen Spielen. Der Profi und Buchautor vom SV Würzburg hofft (genau wie wir , dass das Freiwasserschwimmen weiter Fahrt aufnimmt. Das Allgäu hat mit Rottachseeschwimmen und Bodenseequerung zwei heiße Eisen im Feuer. Nicht zu vergessen sind die vielen Triathleten, für die open water swimming (okay, mit Neo…) zum Programm gehört. Umso schöner, dass das Interview geklappt hat – und mit einer weiteren Premiere aufwartet. Denn mit dem schwäbischen Top-Schwimmer Andreas Kornes, 36, von der Augsburger Allgemeinen schreibt erstmals ein “Augschburger Kollege” für diesen Blog. Wenn das kein Grund zum Weiterlesen ist…

dsc9497Was muss man für den Ausdauersport mitbringen? Stundenlanges Schwimmen, Radeln oder Laufen ist ja nicht unbedingt jedermanns Sache…
Lurz: Das stimmt. Man braucht ganz grundsätzlich viel Disziplin, Ehrgeiz und Wille. Das ist klar. In jedem Ausdauersport geht nichts ohne ein gewisses Trainingsvolumen. Egal, welches Talent jemand hat: Es muss immer auch trainiert werden. Deswegen sind Ehrgeiz und Wille in einem Ausdauersport das A und O.

Welche Rolle spielt Talent?
Lurz: Das spielt natürlich eine Rolle, denn letztlich ist es auch ein Talent, viel trainieren zu wollen und zu können. Darüber hinaus muss man schon auch ein gewisses Talent in der jeweiligen Sportart mitbringen, um auch ökonomisch genug zu schwimmen, zu laufen oder was auch immer.

Ein großes Thema im Ausdauersport ist Motivation. Wie motivierst du dich selbst im Training? Gibt es da irgendwelche Tricks?
Lurz: Nein, Tricks gibt es da leider nicht. Aber das macht es ja im Ausdauersport gerade aus, dass man sich durchbeißen muss. Meine Motivation sind natürlich die Ziele, die Wettkämpfe. Die habe ich immer vor Augen. Ich weiß genau: Wenn ich heute morgen nicht trainiere, habe ich beim Wettkampf XY schlechtere Chancen zu gewinnen. Das Training macht nicht immer unbedingt Spaß, aber gewinnen macht Spaß. Der Wille zu gewinnen muss größer sein, als der innere Schweinehund.

Es ist dabei sicherlich auch hilfreich, schon einmal gewonnen zu haben und zu wissen, wie süß ein Sieg schmeckt.
Lurz: Absolut. Erfolg gibt immer Motivation. Wenn man allerdings sehr häufig gewinnt, verhilft einem ab und zu auch mal eine Niederlage zu neuer Motivation.

Wo liegt für dich persönlich der Spaßfaktor am Ausdauersport? Ist es nur das Gewinnen?
Lurz: Natürlich ist Gewinnen schön, das ist ja auch das Ziel der ganzen Geschichte. Aber ganz grundsätzlich macht es natürlich Spaß, sich mit den Besten zu messen. Sich auf etwas vorzubereiten. Nicht zu wissen, ob es hundertprozentig klappt oder nicht. In meiner Sportart ist jedes Rennen anders, jedes Rennen ist eine neue Herausforderung.

Ein weiteres großes Thema ist die Regeneration. Welche Tipps hast du für Ausdauersportler, dass sie sich möglichst gut erholen können nach dem Training oder nach einem Wettkampf?
Lurz: Regeneration ist extrem wichtig. Wenn man sich nicht regeneriert, kann man langfristig nicht sinnvoll trainieren. Natürlich hat man in meinem Alter sehr viele Erfahrungswerte und weiß genau, was man braucht und was nicht. Allerdings wird man auch älter und dann ändert sich das wieder. Spezielle Tipps habe ich aber nicht. Es sind die ganz normalen Sachen, die der Körper braucht. Wenn man die Zeit hat, ist ein Mittagsschlaf zum Beispiel immer gut. Natürlich auch gesunde, gute Ernährung. Wenn man Krafttraining gemacht hat helfen Proteine. Das reicht aber. Am wichtigsten ist viel Ruhe und Schlaf. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass man dafür Trainingseinheiten ausfallen lässt (lacht).

33290753Du bist 33 Jahre alt. Wie geht dein Körper inzwischen mit dem Training um? Was hat sich da verändert?
Lurz: Das hat sich stark verändert. Die Regenerationszeiten im höheren Alter sind länger. Darauf muss man sich einstellen. Auch die Trainingszeiten werden ein bisschen langsamer. Man muss aber trotzdem immer alles geben. Andererseits profitiert man jetzt von den Reserven, die man sich über die Jahre erarbeitet hat. Je länger man Ausdauersport gemacht hat, desto eher könnte man auch mal einen Trainingsausfall verkraften. Nichts von dem, was man trainiert hat, geht verloren. Wichtig ist darüber hinaus auch die Erfahrung, die einem in meiner Sportart in den Rennen enorm viel bringt. Man schwimmt taktisch einfach cleverer.

Legst du einen Ruhetag ein?
Lurz: Ja, am Sonntag schwimme ich nicht. Manchmal gehe ich aber noch auf das Fahrradergometer oder gehe Laufen.

Was trainierst du sonst noch außerhalb des Beckens?
Lurz: Es ist immer zwei- bis dreimal in der Woche spezifisches Krafttraining mit Zugseil und ähnlichem. Dazu noch ein bisschen Radfahren oder Laufen. Das macht in der Woche sechs bis sieben Trockentrainingseinheiten.

Und im Wasser?
Lurz: Zwischen elf und zwölf Einheiten, meistens elf.

Wieviele Kilometer schwimmst du pro Jahr?
Lurz: Etwa 3500 Kilometer.

Hast du schon einmal zusammen gerechnet, wieviele Kilometer du im Laufe deiner Karriere schon geschwommen bist?
Lurz: Das habe ich schon mal überschlagen. Einmal um die Welt komme ich locker. Es sind bis jetzt sicherlich 45 000 bis 50 000.

Kannst du dir ein Leben ohne Sport vorstellen?
Lurz: Nein.

Also auch wenn die Karriere eines Tages zu Ende ist, wirst du aktiv bleiben?
Lurz: Ja klar. Es gibt immer Herausforderungen. Jeder muss zum Beispiel mal einen Marathon gelaufen sein. Das ist selbstverständlich. Vielleicht mach ich auch mal einen Ironman oder ähnliche Sachen. Da muss ich einfach mal schauen, wie viel Zeit ich habe. Wenn man einmal Sportler ist, lässt einen das nicht mehr los. Ist ja auch wichtig für die Gesundheit.

Wie sieht deine sportliche Zukunft aus?
Lurz: Also bis zur Schwimm-Europameisterschaft 2014 in Berlin mache ich auf jeden Fall weiter. Und dann muss ich sehen, was sich sonst noch so ergibt. Ich bin seit Januar schon bei S.Oliver in der Personalentwicklung und mache da Motivationsseminare für die Manager und Führungskräfte.
 

Zur Person
Thomas Lurz, 33, lebt in Gerbrunn bei Würzburg und startet für den SV Würzburg. Mit zwölf WM-Titeln ist er der erfolgreichste Langstreckenschwimmer aller Zeiten. Bei Olympischen Spielen steht Freiwasserschwimmen seit 2008 im Programm (10 Kilometer). Bei der Premiere in Peking gewann Lurz Bronze, vergangenes Jahr in London holte er Silber. Zusammen mit Prof. Yasmin M. Fargel hat er vergangenes Jahr ein Buch mit dem Titel „Auf der Erfolgswelle schwimmen“ veröffentlicht. Die beiden verraten darin ihre persönlichen Erfolgskonzepte.